Warum Automatisierung mehr als Tools braucht: Der Mensch als Schlüssel zur digitalen Effizienz

Automatisierung neu denken: Warum der Mensch im Zentrum stehen muss
 

Rechnungen, Freigaben, Routineaufgaben – sobald in Unternehmen manuelle Prozesse sichtbar werden, ist der Ruf nach Automatisierung nicht weit. Tools versprechen Entlastung, Effizienz und Geschwindigkeit. Doch wer glaubt, damit sei es getan, greift zu kurz.
 

Ein Blick in viele Organisationen zeigt: Automatisierung geschieht oft punktuell. Der Kollege aus der Buchhaltung bastelt an komplexen Excel-Formeln, die IT rollt ein Self-Service-Portal für Zugriffe aus. Was häufig fehlt, ist die übergeordnete Perspektive. „Viele Organisationen denken immer noch sehr lokal“, sagt Leon Strauch, Principal Practice Strategist bei Camunda. „Sie automatisieren Teilstrecken, ohne den gesamten Prozess zu betrachten.“ Das schaffe kurzfristige Effizienz, führe aber langfristig zu technischen Schulden.
 

Technologie braucht Treiber
 

Selbst eine gute Strategie bleibt wirkungslos, wenn sie niemand umsetzt. Automatisierung ist kein Selbstläufer – sie lebt von Menschen, die sie verstehen, annehmen und vorantreiben. „Viele Projekte verlaufen im Sande, weil es in den Fachabteilungen niemanden gibt, der Verantwortung übernimmt“, erklärt Tobias Schicht von Leadvise Reply. Entscheidend sei es, Ängste abzubauen und Automatisierung als Chance zu vermitteln – nicht als Gefahr für bestehende Jobs.
 

Brücken zwischen IT und Fachbereichen
 

Für nachhaltigen Erfolg braucht es mehr als nur Tools – es braucht Zusammenarbeit. Denn oft wissen Fachabteilungen zu wenig über Prozessverläufe, während die IT kaum Einblick in operative Abläufe hat. „Schon wenn Process Engineers einige Tage im Fachbereich mitarbeiten, lassen sich echte Potenziale erkennen“, sagt Patrick Arnold von Randstad Digital. Die Nähe zum Arbeitsalltag eröffnet Einblicke, die Tabellen und Diagramme nicht liefern können.
 

Auch Fiona Schewski von EY betont: „Unternehmen müssen die Trennung zwischen Business und IT überwinden, wenn sie digital erfolgreich sein wollen.“ Ein gemeinsamer Automatisierungsbaukasten, kombiniert mit gezieltem Know-how-Aufbau, kann die Grundlage dafür schaffen.
 

KI als Ergänzung – nicht als Ersatz
 

Im Automatisierungskontext rückt künstliche Intelligenz zunehmend in den Fokus. Doch ersetzt sie etablierte Methoden? Noch nicht. „Dass KI-Agents ganze Produktionsketten allein steuern, ist Zukunftsmusik“, sagt Michael Eckert von Salesforce. Aktuell scheitert es oft an Schnittstellen, Datenqualität und Integration. Gerade hier bleibt klassische Automatisierung – etwa über APIs oder RPA – unverzichtbar.
 

Auch Tobias Schicht warnt vor überzogenen Erwartungen: „KI ergänzt die Automatisierung, aber sie ersetzt sie nicht.“ Viele Unternehmenslandschaften sind fragmentiert – und dort, wo Systeme nicht nahtlos zusammenarbeiten, braucht es weiterhin verbindende Technologien.
 

Ohne Transparenz keine Orchestrierung
 

Damit Automatisierung wirklich funktioniert, braucht es Übersicht. „Man muss nicht auf jede Veränderung sofort reagieren“, meint Fiona Schewski. Viel wichtiger sei es, die Zusammenhänge zu verstehen – und zu wissen, welche Änderungen welche Prozesse beeinflussen. Eine Art Inventur, etwa durch Process Mining oder grafische Modellierung, kann hier helfen.
 

Erst auf dieser Basis lässt sich sinnvoll orchestrieren – also einzelne Automatisierungsschritte zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbinden. „Automatisierung ist kein Sprint“, sagt Heinrichs von UIPath. „Sie ist ein Marathon aus vielen kleinen Schritten.“ Erst in der Summe entsteht das Potenzial.

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