Wie Intel sein Netzwerk per Source of Truth und Automatisierung skaliert

So skaliert Intel seinen Netzwerkbetrieb

Mit einem Automatisierungsmodell auf Basis einer maßgeblichen „Network Source of Truth“ konnte Intel sein Netzwerk skalieren, Ausfälle reduzieren und die Arbeitsweise seiner Engineering-Teams grundlegend verändern.

Die Umstellung auf automatisierte Prozesse erleichtert – und verändert – die Arbeit von Netzwerk-Administratoren. In großen Unternehmen mit Tausenden von Netzwerkgeräten, die den globalen Betrieb unterstützen, ist Netzwerkautomatisierung längst nicht mehr optional – sie ist zwingend notwendig.

Ausgangspunkt: Automatisierung aus Notwendigkeit

Auch bei Intel entstanden die ersten Automatisierungsansätze aus reiner Notwendigkeit. Ein kleines Team des multinationalen Halbleiterunternehmens hielt das Netzwerk mithilfe von Screen Scraping und Skripten am Laufen. Doch spätestens 2019 stieß dieser Ansatz an seine Grenzen.

Die Einführung einer neuen Netzwerkplattform mit APIs markierte einen Wendepunkt – nicht nur in technischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Der Wandel erforderte ein grundsätzliches Umdenken darüber, wie Netzwerke gestaltet, betrieben und personell ausgestattet werden.

Damals konzentrierten sich gerade einmal „eineinhalb Personen“ auf die Automatisierung, erinnert sich Greg Botts, Senior Network Engineer mit mehr als 18 Jahren Erfahrung bei Intel. Botts spielte in den vergangenen sechs Jahren eine zentrale Rolle bei der Umstellung auf automatisierte Prozesse und führte Intel von manuellen Workflows hin zu einem datengetriebenen Automatisierungsmodell, das auf Resilienz und Skalierbarkeit ausgelegt ist.

„Netzwerkautomatisierung ist nicht nur eine Frage der Technologie”, so Botts. „Es geht um Skalierbarkeit, Standardisierung und darum, begrenzte personelle Ressourcen optimal zu nutzen.”

Offene Standards und eine „Network Source of Truth“

Der Druck zur Automatisierung verstärkte sich, als Intels Netzwerklandschaft wuchs, während die Mitarbeiterzahl zurückging. „Im Jahr 2019 hatten wir 20 Netzwerkingenieure, die etwas mehr als 3.000 Geräte verwalteten”, erklärt Botts. „2025 waren es nur noch 13 Ingenieure für 5.500 Devices. Bei so einer Entwicklung muss man automatisieren, um Schritt zu halten.“

Manuelle Konfigurationsarbeiten ließen sich nicht mehr skalieren. Standardisierung wurde nicht nur für das Wachstum unerlässlich, sondern auch, um operative Risiken zu reduzieren. „Es gab zu viele Geräte, um Konfigurationen per Copy-Paste zu übertragen. Automatisieren oder untergehen“, beschreibt Botts die zur Verfügung stehenden Optionen.

Nach Jahren des Betriebs stark angepasster Anbieter-Tools – und mehr als 60 unterstützender Server – erreichte Intel einen weiteren Wendepunkt. Die Kosten und die technischen Schulden waren nicht mehr tragbar.

Das Team begann daher, nach einer Plattform zu suchen, die auf offenen Standards und zentraler Verwaltung basiert. Letztendlich entschied man sich für die Open-Source-Version von Nautobot als Network Source of Truth und Grundlage für die Automatisierung. Die Lösung wird von Network to Code entwickelt und gepflegt.

Die Migration erforderte Skripte und umfassende Bereinigungsarbeiten, um bestehende Gerätedaten in nutzbare, strukturierte Netzwerkdaten zu überführen – aber sie legte den Grundstein für ein deutlich disziplinierteres Modell.

Definition: Was ist eine Network Source of Truth?

Eine Network Source of Truth ist ein zentraler, maßgeblicher Speicher für Betriebsdaten, die validiert und konsolidiert wurden. Er dokumentiert die beabsichtigte Netzwerkkonfiguration und stellt programmatischen Zugriff auf Daten für Automatisierungs-Tools und andere Systeme bereit, so die Definition von Enterprise Management Associates (EMA).

„Tools für die Netzwerkautomatisierung müssen auf einen maßgeblichen Satz von Netzwerkdaten zurückgreifen, um sicherzustellen, dass die von ihnen vorgenommenen Änderungen den gewünschten Zustand und die gewünschte Funktionsweise des Netzwerks widerspiegeln“, erklärte Shamus McGillicuddy, Forschungsdirektor für Netzwerkmanagement bei EMA, kürzlich in einem Webinar.

Philosophischer Wechsel: Daten zuerst

Für Intel war der philosophische Wandel ebenso wichtig wie die Wahl der Plattform. „Beginnen Sie mit Ihren Netzwerkdaten“, rät Botts. „Alles andere sollte ein Nebenprodukt der Daten sein.“

Anstatt die Dokumentation nachträglich zu aktualisieren, kehrte Intel den Prozess um: Alle Änderungen beginnen nun in der Source of Truth und werden per Automatisierung im Netzwerk ausgerollt. CLI-gesteuerte Copy-and-Paste-Workflows gehören nicht mehr zum normalen Betrieb.

Weniger Ausfälle durch ein neues Betriebsmodell

Die Ergebnisse waren messbar. Vor der Umstellung vor sechs Jahren verzeichnete Intel durchschnittlich zwölf bis 15 schwerwiegende Incidents pro Jahr. Seit der Einführung eines datengesteuerten Automatisierungsmodells ist diese Zahl drastisch gesunken.

Intel konzentrierte sich dabei auf zwei interne Netzwerke: eines für das Chipdesign und eines für das Enterprise-Umfeld. „In den vergangenen vier Jahren gab es im RZ-Netzwerk für Chipdesign keinen einzigen größeren Vorfall“, erklärt Botts. „Im Netzwerk des Unternehmensrechenzentrums gab es genau einen.“

Das deckt sich mit den Erfahrungen von anderen Unternehmen, bei denen Automatisierung auf verlässlichen Daten basiert, so McGillicuddy von EMA. „Eine Network Source of Truth dokumentiert und erhält den beabsichtigten Zustand des Netzwerks“, so der Experte. „Mit offenen APIs und einem erweiterbaren Datenmodell wird sie zur Grundlage für Automatisierung, Validierung und Betrieb.“

Silos aufbrechen und Fähigkeiten weiterentwickeln

Die Automatisierungsstrategie von Intel veränderte auch das Team selbst. Statt ein separates Team von Automatisierungsspezialisten aufzubauen, setzte das Unternehmen darauf, die vorhandenen Netzwerkingenieure gezielt weiterzubilden.

„Man benötigt (k)?ein Team von Einhörnern, die sowohl in der Netzwerktechnik als auch in der Entwicklung versiert sind, auch NetDevOps genannt“, erklärt Botts. „Wir wollen unser bestehendes Team organisch weiterentwickeln – und die Leute haben richtig Lust darauf.“

Abstraktion spielte dabei eine wichtige Rolle. „Für Entwickler ist das Netzwerk abstrahiert“, so der Intel-Manager. „Für Netzwerktechniker ist die Entwicklung abstrahiert.“

Das gemeinsame Datenmodell hilft zudem, organisatorische Silos aufzubrechen. Security-, WAN- und andere Teams können auf dieselben Netzwerkdaten zugreifen, was die Zusammenarbeit und Konsistenz im gesamten Unternehmensnetzwerk verbessert.

Fokus, schrittweise Erfolge und die nächsten Schritte

Botts’ Ratschlag für andere Unternehmen ist pragmatisch: Netzwerkdesign und Automatisierungssysteme sollten nicht gleichzeitig entworfen werden. Zunächst gilt es, ein klares Netzwerkmodell zu etablieren, sich auf konkrete Anwendungsfälle zu konzentrieren und schrittweise vorzugehen.

Auch die Personalmodelle müssen mit den operativen Zielen in Einklang stehen, denn Automatisierung ohne angemessene Unterstützung kann neue Risiken mit sich bringen.

Mit Blick auf die Zukunft konzentriert sich Intel auf eine gründlichere Validierung, Zero-Drift-Compliance und KI-gestützte Abläufe. „Jetzt, da die Daten solide sind“, so der Netzwerkexperte, „sind die Voraussetzungen geschaffen, dass KI alles noch besser machen kann.“

Die Erfahrungen von Intel unterstreichen eine wichtige Erkenntnis für die Unternehmens-IT: Richtig umgesetzte Automatisierung ersetzt Fachwissen nicht, sondern ergänzt es. Indem sie die Automatisierung auf verlässliche Daten und disziplinierte Prozesse stützen, können Netzwerkteams Risiken reduzieren, den Betrieb skalieren und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Probleme gewinnen.

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