Digitale Avatare im Einsatz: Was virtuelle KI-Personen heute wirklich leisten können

Mehr als ein Chatbot mit Gesicht?

 

Obwohl sich viele beruflich mit KI beschäftigen, bleibt es ein überraschender Moment: Man spricht mit einer Person – doch diese existiert nicht. Sie sieht aus wie ein Mensch, reagiert, antwortet, gestikuliert. Und doch steckt dahinter nichts weiter als Code, Modelltraining und Rechenleistung.
 

Digitale Avatare sind eines der greifbarsten Gesichter der KI-Entwicklung. Sie versprechen Präsenz ohne echte Person, Kommunikation ohne Wartezeit und Verfügbarkeit rund um die Uhr. Die Anwendungsfelder sind vielfältig – von Infovideos über Kundendialog bis zu Beratungsgesprächen im virtuellen Raum.
 

Vanessa und René: Die Avatare der TK
 

Wie so etwas im Alltag aussehen kann, zeigt ein Beispiel der Techniker Krankenkasse (TK). Die virtuellen Assistenten „Vanessa“ und „René“ sind über die TK-Website erreichbar und richten sich gezielt an Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten.
 

In sechs Sprachen beantworten die beiden häufige Fragen – etwa: „Darf ich zu Hause bleiben, wenn ich krank bin?“ oder „Wie finde ich einen Arzt?“. Vanessa erklärt dann ruhig, dass man im Krankheitsfall weiterhin Gehalt bekommt – auf Englisch, mit leichtem Akzent und sympathischer Stimme.
 

Erstellt wurden die Avatare vom Start-up go AVA, das 2023 in Essen von Lara Dörner und Jan Schellenberger gegründet wurde. Das junge Unternehmen verfolgt ein klares Ziel: mehr als nur Chatbots mit animierten Gesichtern zu bieten.
 

Technik mit Grenzen – und Anspruch
 

Tatsächlich wirken die Avatare der TK erstaunlich realistisch: Mimik, Stimme, Sprache – vieles erinnert an reale Interaktion. Dennoch ist schnell zu erkennen, dass es sich nicht um echte Videogespräche handelt: Die Bewegungen sind noch zu steif, die Tonlage oft zu monoton.
 

Und auch die Antworten treffen nicht immer ins Schwarze: Eine Frage zum Thema „Rezept“ etwa wird falsch verstanden – stattdessen erklärt Vanessa das deutsche Pfandsystem. Beim Thema „Kind krank“ liefert sie fälschlicherweise Informationen zum Zahnarztbesuch.
 

Fehler wie diese zeigen: Auch Avatare sind nur so gut wie die Datenbasis und das dahinterliegende Modell. Go AVA arbeitet hier bewusst mit eigenen KI-Systemen, die ausschließlich mit verifizierten Kundendaten trainiert werden. So lassen sich unkontrollierte Halluzinationen oder unpassende Inhalte 

weitgehend vermeiden.
 

Sicherheit vor Spontaneität?
 

Ein spannender Aspekt dabei: Die Avatare antworten stets gleich – auf jede Frage immer die exakt gleiche Reaktion. Das macht die Kommunikation vorhersehbar und nimmt ein Stück Menschlichkeit. Gleichzeitig bietet es Sicherheit: Unternehmen können sicherstellen, dass ihre digitalen Vertreter keine ungewollten Inhalte produzieren – weder emotional noch juristisch heikel.
 

Im Test ließ sich der Avatar Vanessa übrigens trotzdem eine sachliche Erklärung zum Stauffenberg-Attentat auf Hitler entlocken – also kein trivialer Fakt, aber auch kein Fehltritt. Das zeigt, wie fein der Grat zwischen „kontrolliert“ und „künstlich starr“ sein kann.
 

Technik ist nur der Anfang
 

Was go AVA von größeren Anbietern wie Synthesia oder HeyGen unterscheidet, ist nicht allein die Größe – mit rund 30 Mitarbeitenden ist das Start-up noch vergleichsweise klein. Es ist vielmehr der Ansatz: Das Team entwickelt Technik und Inhalte komplett selbst und arbeitet eng mit seinen Kunden zusammen.
 

Die Erstellung der Avatare beginnt im Studio, wo reale Personen gefilmt werden. Das Training des KI-Modells basiert dann ausschließlich auf Daten, die der Kunde bereitstellt. Damit sind die digitalen Personen nicht nur visuelle Aushängeschilder, sondern tief in Unternehmensprozesse eingebunden.
 

„Unsere Avatare sind keine losgelösten Tools – sie funktionieren, weil sie Teil des Geschäftsalltags werden“, sagt Mitgründerin Dörner.
 

Diese Erkenntnis setzt sich mittlerweile auch bei größeren Tech-Unternehmen durch: Beeindruckende Technik allein reicht nicht, um Firmenkunden zu überzeugen. Relevanz, Integration und Anwendung zählen mindestens genauso viel.
 

Fazit: Virtuelle Menschen brauchen reale Verantwortung
 

Digitale Avatare sind mehr als ein KI-Gimmick – sie eröffnen neue Wege für Kommunikation, Support und Interaktion. Doch ihr Nutzen steht und fällt mit der Frage, wie gut sie in bestehende Strukturen eingebettet sind.
 

Authentizität entsteht nicht nur durch realistische Gesichter und Stimmen, sondern vor allem durch passende Inhalte, klare Grenzen und sinnvolle Anwendungskontexte. Unternehmen, die das verstanden haben, holen nicht einfach eine KI ins Boot – sie schaffen digitale Persönlichkeiten mit Aufgaben und Verantwortung.

 

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