Arbeitsverdichtung durch KI: mehr Tempo, weniger Pausen, mehr Stress
KI-Prompts wandern in Pausen, treiben Multitasking und erhöhen Tempo-Erwartungen. Das kann kognitive Überlastung und Fehler fördern – Gegenmittel: klare KI-Praxis und Grenzen.
Wie KI Pausen und Erholung untergräbt
Das zweite Muster betrifft die Erosion der Grenzen zwischen Arbeit und Erholung. Weil sich ein Prompt an ein KI-Tool leichtgewichtig anfühlt – eher wie eine kurze Nachricht als wie der Start einer formalen Aufgabe – begannen Beschäftigte, kleine Arbeitsschritte in Pausen, Meetings und Übergangsmomente einzuschieben.
Einige schickten noch einen letzten Prompt ab, bevor sie ihren Platz verließen, damit die KI in ihrer Abwesenheit weiterarbeiten konnte.
Mit der Zeit schrumpften die üblichen Unterbrechungen im Arbeitstag. Mehrere Teilnehmende stellten erst im Rückblick fest, dass ihre Pausen nicht mehr die gleiche Erholung brachten.
Mehr Tempo, mehr Erschöpfung
Die dritte Form der Verdichtung war eine Zunahme von Multitasking. Beschäftigte verwalteten mehrere KI-gestützte Arbeitsstränge gleichzeitig: Sie schrieben manuell Code, während die KI eine Alternative generierte, ließen parallele Agenten laufen oder nahmen lange aufgeschobene Aufgaben wieder auf.
Das Gefühl, einen fähigen Partner an der Seite zu haben, erzeugte Dynamik, führte aber auch zu permanentem Aufmerksamkeitswechsel und zu einer wachsenden Liste offener Punkte.
Die Erwartungen an Geschwindigkeit stiegen – nicht unbedingt durch explizite Vorgaben, sondern durch das, was in den alltäglichen Arbeitsabläufen sichtbar und normal wurde.
Der kumulative Effekt war laut den Forschern ein sich selbst verstärkender Kreislauf:
- KI beschleunigte Aufgaben, was die Erwartungen erhöhte.
- Höhere Erwartungen machten Beschäftigte abhängiger von KI.
- Dadurch weitete sich der Umfang ihrer Tätigkeiten aus.
- Das steigerte wiederum die Arbeitsdichte.
Produktivitätsschub oder kognitive Überlastung?
Die Forscher warnen, dass kurzfristige Produktivitätssteigerungen eine wachsende kognitive Belastung überdecken könnten. Weil der KI-Einsatz der Mitarbeitenden größtenteils freiwillig erfolge, entgehe Führungskräften möglicherweise, wie viel zusätzliche Last die Beschäftigten trügen.
Langfristig drohen beeinträchtigte Urteilsfähigkeit, höhere Fehlerquoten und die Schwierigkeit, echte Effizienz von nicht nachhaltiger Intensität zu unterscheiden.
Als Gegenmaßnahme schlägt die Studie vor, eine bewusste „KI-Praxis“ zu entwickeln – also verbindliche Normen dafür, wie KI eingesetzt wird, wann man aufhört und wie sich Arbeit in Reaktion auf neue Fähigkeiten ausdehnen darf oder eben nicht.
Die zentrale Frage für Unternehmen ist demnach nicht, ob KI die Arbeit verändern wird, sondern ob sie diese Veränderung bewusst gestalten oder unbemerkt geschehen lassen.